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Blog von Dimitrios Margonis

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Lohndumping sprengt die Währungsunion

März 3rd, 2010 · 1 Kommentar

Es mag wohl sein, dass die GIPS-Länder mit einer schwachen Wettbewerbsfähigkeit in die Eurozone gekommen sind, mit der Intension, dass so “alles besser wird”. Auf der anderen Seite hat man  besonders in Deutschland aus der Angst heraus, dies könnte den Euro schwächer werden lassen, stagnierende Löhne und eine schwache Binnennachfrage und dadurch noch mehr Wettbewerbsvorteile.

  

Spart Deutschland die EU-Nachbarn kaputt?

“Wir haben kein Griechenlandproblem, sondern ein Deutschlandproblem”, sagt Heiner Flassbeck, Chefökonom bei der UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in Genf. Sein Vorwurf: Durch systematisches Lohndumping grabe Deutschland den anderen EU-Staaten Marktanteile ab. Als einzige große Volkswirtschaft der Währungsunion habe die Bundesrepublik ihren globalen Marktanteil zwischen 2000 und 2010 stabilisiert, während die anderen dramatisch verloren haben.

Die Europäische Währungsunion wächst nicht zusammen, sondern driftet auseinander. Während die Lohnstückkosten der deutschen Industrie seit der Einführung des Euro um 14 Prozent gesunken sind, blieben sie in Griechenland (das zwei Jahre später in die Währungsunion startete) gleich. In Portugal stiegen sie um 5 Prozent, in Spanien um 28 und in Italien gar um 46 Prozent.
Auf diese Weise torpediere Deutschland die gemeinsame Geldpolitik, argumentiert Flassbeck. “Deutschland verletzt seit vielen Jahren das Inflationsziel der EZB. Die Teuerung soll pro Jahr nahe 2 Prozent liegen – und nicht weit unter 2 Prozent.” Die Griechen mit einer durchschnittlichen Steigerung der Reallöhne um 1,9 Prozent jährlich seit dem Jahr 2000 lägen sogar im Rahmen, gäbe es nicht den harten innereuropäischen Wettbewerb.

Das Ergebnis: Eine Geldpolitik, die gut für Deutschland ist, kann nicht gut für Spanien und Co. sein. Deshalb verlaufen auch im EZB-Rat die Fronten zwischen “Falken” und “Tauben” entlang nationaler Grenzen: Die Deutschen drängen auf hartes Geld und eine schnelle Rückkehr zu höheren Zinsen, doch das wäre Gift für die Konjunktur in Südeuropa.

Tags: Aktuelle Meinungen